ROOM SERVICE von John Murray und Allen Boretz
Regie: Katja Paryla Rolle: Faker Englund

Inhalt:
Die turbulente Slapstickkomödie wurde 1937 mit großem Erfolg am Broadway uraufgeführt. Sie zeigt auf zwerchfellerschütternde Weise, dass Theaterleute enorme kreative, aber auch kriminelle Energien freisetzen können, um der größten für sie denkbaren Katastrophe zu entgehen: einer wegen Geldnöten geplatzten Premiere.
Produzent Gordon Miller prognostiziert seinem Stück einen Riesenerfolg und will es um jeden Preis aufführen. So ist er gemeinsam mit Regisseur und Assistenten ständig auf der Jagd nach Sponsoren. Zugleich hat er sich mit sämtlichen Schauspielern seit zwei Wochen in einem Hotel eingemietet. Hier wohnen und proben sie – und lassen anschreiben, denn jeder von ihnen ist finanziell völlig abgebrannt. Der Geschäftsführer des Hotels ist der Kunst zwar wohlgesonnen, als aber der Chef der Hotelkette die Finanzen überprüfen will, nimmt das Chaos seinen Lauf. Verstärkt durch den unerwartet angereisten Autor müssen die Theaterleute nun nicht nur Geld beschaffen, sondern sich bei ihren Gläubigern mit Phantasie aus der Verantwortung stehlen. Zu jedem Risiko bereit und geschult in der virtuosen Kunst der Täuschung, widerstehen sie der Aushungerung durch den Room Service und verlieren nicht den Glauben an ihre Premiere.
[Quelle: www.staatstheater-cottbus.de]

Premiere: Samstag, 1. Mai 2010

KRITIK
Lausitzer Rundschau vom 4.5.2010 - Hartmut Krug

Märkische Oderzeitung vom 4.5.2010 - Uwe Stiehler

rbb-Kulturradio vom 3.5.2010 - Frank Dietschreit

Nächste Vorstellungen:

Sonntag 10.10.2010 19:00 Uhr
Sonntag 31.10.2010 16:00 Uhr
Samstag 13.11.2010 19:30 Uhr
Freitag 10.12.2010 19:30 Uhr
Sonntag 19.12.2010 19:00 Uhr
Dienstag 11.01.2011 19:30 Uhr
Sonntag 13.03.2011 16:00 Uhr
Samstag 19.03.2011 19:30 Uhr
Sonntag 22.05.2011 19:00 Uhr

REGIE: Katja Paryla
BÜHNE: Alexej Paryla
KOSTÜME: Mathias Werner
DRAMATURGIE: Bettina Jantzen
REGIEASSISTENZ: Falk Schneider

SASCHA SMIRNOFF: Bernd Stichler
GORDON MILLER: Amadeus Gollner
HARRY BIBION: Gunnar Golkowski
JOSEPH GRIBBLE : Kai Börner
FAKER ENGLUND: Oliver Seidel
CHRISTINE MARLOWE: Susann Thiede
LAO DAVIS: Roland Schroll
HILDA MANEY: Ariadne Papst
GREGORY WAGNER: Daniel Borgwardt
SIMON JENKIS/SENATOR BLAKE: Rolf-Jürgen Gebert
TIMOTHY HOGARTH/DR. GLASS/BANKBOTE:Thomas Harms

KRITIK: Lausitzer Rundschau vom 4.5.2010 - Harmut Krug

Das Theater als Kampf und Krampf

COTTBUS Die mehr als siebzig Jahre alte Klamotte „Room Service“ von John Murray und Allen Boretz ist ein wahres Erfolgsstück: Nach ihrer Uraufführung 1937 am Broadway lief sie dort 61 Wochen und wurde dann zu einem Rekordpreis für eine Verfilmung mit den Marx Brothers verkauft. Stars wie Frank Sinatra und Jack Lemmon traten darin am Broadway auf, und vor zwei Jahren inszenierte Thomas Ostermeier das Stück an der Berliner Schaubühne mit dem Komiker Kurt Krömer.

„Room Service” mit Amadeus Gollner (Gordon Miller), Gunnar Golkowski (Harry Binion) und Susann Thiede (Christine Marlowe). Foto: Kross
Eine Theatergruppe ist pleite und will doch spielen, schließlich braucht man Geld für Kost und Logis. Das Stück, das sie unverdrossen proben, heißt „Eine glückliche Reise“, doch sein Inhalt und sein Autor sind den Schauspielern völlig egal. Es geht einfach ums Überleben. Also kämpft die vielköpfige Truppe trickreich um ihr Logis, aus dem sie der neue Hotelmanager zu werfen versucht, weil sie seit Langem nicht mehr bezahlt hat, und bemüht sich zugleich verzweifelt um einen Sponsor.
Vor allem aber spielt sie auch Theater im wahren Leben. Verkleidung, Verwechslung, Rollenspiel- und Rollenwechsel, Lug und Betrug: nichts fehlt. Und die Schiebewände ( Bühnenbild: Alexej Paryla), vor der das Ganze in einem schäbigen Hotelzimmer spielt, sind ständig in Bewegung, sie lassen die Menschen je nach Bedarf hereinkommen oder verschwinden. Die Wahrheit zählt bei diesem Theater fürs Theater gar nichts. In „Room Service“ geht es nicht um die Theaterkunst, sondern um die nackte Schauspielerexistenz, also ums Geld. Das alle nicht haben. Weder der hinterwäldlerische Autor, dessen noch nicht abgezahlter Schreibmaschine ein Geldeintreiber hinterher jagt, noch der um eine Rolle kämpfende russische Kellner, der in seiner Heimat Stanislawski gespielt hat. Während der Bevollmächtigte eines berühmten, reichen Sponsors eine Rolle für die Sponsoren-Freundin erwartet.
Worum es in dem Stück geht, das die Schauspielgruppe probt, spielt nie eine Rolle. John Murrays und Allen Boretz´ Erfolgsstück ist eine total überdrehte Klamotte, der die Marx-Brothers in ihrer Verfilmung den schrillen Charme der Panik verliehen haben, während Frank Sinatra und Jack Lemmon darin am Broadway ihre Erfolge feierten, indem sie den Showcharakter des Stückes betonten.
Irritierende Passagen
Katja Paryla will in Cottbus vor allem die Komik ausstellen, eine Komik, die sie ins Surreale zu treiben sucht. Deshalb dröhnen manchmal aus dem geöffneten Kühlschrank Filmdialoge (von den Marx Brothers?), deshalb geht Susann Thiede in der Rolle einer Schauspielerin schier traumwandlerisch durch die Szenen und erzählt mit enervierender Penetranz immer wieder von Auswahl, Farbe und Kauf eines Hütchens, und deshalb verfällt der Angestellte des Sponsors ( wohl auch erotisch) einem Elchkopf, den sich einer der Schauspieler aufgesetzt hat. Solche Passagen irritieren in ihrer sinnfreien Surrealität und entwickeln gelegentlich eine zarte, stille Komik.
Es ist müßig, die Wirrungen und Irrungen, das Hin und Her der wahnwitzigen Manöver und Verwicklungen zu erzählen, denn „Room Service“ ist weder eine tiefschürfende Komödie um den Sinn und das Wesen des Theaters noch eine Beschwörung seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Auch gibt es keine psychologisch subtil entwickelten Figuren, sondern nur Typen, die komisch sein sollen. Es ist eben pures Lachtheater. Also das Schwierigste, was auf der Bühne zu machen ist.
Auf die Spaßtube gedrückt
Bei Katja Paryla wird heftig auf die Spaßtube gedrückt. Die Schauspieler bewegen sich von der ersten Sekunde an auf dem höchstmöglichen Erregungslevel. Da wird mit viel Geschrei, mit enormem mimisch-gestischem Aufwand und mit hysterisiertem Überdruck herumgetobt. Doch da das Geschehen gleich aus dem Stand heraus überdreht daherkommt, statt sich langsam auf wilde Betriebstemperatur hochzudrehen, da die Figuren gesetzt statt entwickelt werden und da nur wenige Darsteller das richtige Timing für eine Slapstick-Komik beherrschen, lärmt die Aufführung lange vor einem eher reservierten Publikum nur so dahin. Gunnar Golkowski scheint mit seiner Frisur etwas auf Groucho Marx getrimmt, wirkt in der Rolle des Regisseurs aber ebenso blass wie Oliver Seidel, der sich den Hut von Chico Marx bis über die Augen gezogen hat. Amadeus Gollner schlängelt sich als glatzköpfiger Produzent mit zappeliger Behändigkeit durchs wilde Geschehen und Kai Börner rettet sich als mit ihm verwandter Geschäftsführer routiniert in eine Mimik der hilflosen Verzweiflung. Wohl einem Regieeinfall folgend, müssen Roland Schroll als der naive Autor und Ariadne Pabst, die eine sinnfrei funktionale Rolle spielt, bei jedem Treffen verträumt ihre Kleider ausziehen, ohne dass es zu Weiterem kommt. Anders als Ostermeier an der Schaubühne versagt sich Katja Paryla in Cottbus jede Aktualisierung. Die Regisseurin erstrebt mit mit aller Macht die pure Theater-Komik. Das Ergebnis dieser Anstrengung ist allerdings ein mächtig aufgedrehtes Spiel, das auch für den Zuschauer anstrengend ist.
Immerhin zeigen zwei Schauspieler ganz unangestrengt, wie man Komik auf der Bühne entwickeln sollte. Nämlich aus der Ruhe. Wie der wunderbare Thomas Harms, der gleich drei Rollen spielt. Wenn er als Schuldeneintreiberin wie im Kostüm von Charleys Tante daher kommt, setzt er keinen Moment auf diesen äußerlichen Effekt, sondern stellt die Figur mit mimisch-gestischem Understatement aus. Urkomisch, wie er mit einem Abschied nehmendem „Huhu“ alle erschreckt, lustig, wie er als Hotelarzt diesen energisch auftrumpfen lässt. Und der hoch aufgeschossene Berndt Stichler gibt den Zimmerkellner Sasha Smirnoff, der bei Stanislawski gespielt hat, als einen traurig-ernsten Clown. 75 Minuten dauerte der Marx-Brothers-Film, die Cottbuser Version zieht sich doppelt so lang dahin. Immerhin entwickelt sie nach der Pause doch noch eine schöne Leichtigkeit des Spiels.
Von Hartmut Krug

KRITIK: Märkische Oderzeitung vom 4.5.2010 - Uwe Stiehler

Staatstheater Cottbus: Parasiten im Hotel
Cottbus (moz) Um Theater zu machen, braucht man einen liebenswürdigen Produzenten mit krimineller Energie, eine Grazie, die mit ihren Hütchen die Gläubiger ablenkt, einen Autor, der so genial ist wie geduldig und das Geld von anderen Leuten. Auf diese Formel haben es John Murray und Allen Boretz in ihrem Stück „Room Service“ gebracht. Am Broadway wurde es 500-mal aufgeführt. Die Marx-Brothers haben daraus einen Filmklassiker gemacht. Es gab eine Musical-Version, die „Step Lively“ heißt und in der Frank Sinatra mitspielte. „Room Service“ ist ein Klassiker unter den Theaterkomödien des 20. Jahrhunderts. Der Text ist so gut, dass jedes Experiment, ihn durch verwegene Regiearbeit aufmöbeln zu wollen, nur schief gehen kann. „Room Service“ funktioniert am besten, wenn man dessen sprachlicher Finesse vertraut und sich auf die Darsteller verlässt. Beides hat Katja Paryla in ihrer Cottbuser Inszenierung getan und hat das Stück davor bewahrt, zur Klamotte zu werden.
Die Schauspielerin, die am Deutschen und am Maxim Gorki Theater gefeiert und mit den Fernsehserien „Spuk unterm Riesenrad“ und „Spuk im Hochhaus“ einem Millionenpublikum bekannt wurde, hat das Stück im Gewand seiner Entstehungszeit belassen. Alles ist von vorgestern: die Kostüme (Mathias Werner), der kaputte Sessel und der ein merkwürdiges Eigenleben entfaltende Kühlschrank. Einzig die seltsam moderne Pausenfüllermusik stellt sich zum Habitus der Aufführung quer, die durchwoben ist von der Idee, dass Theater immer überleben wird, solange Enthusiasten wie Gordon Miller dafür ins Feld ziehen.
Dieser Miller (Amadeus Gollner) ist dabei, ein neues Stück zu inszenieren, obwohl er völlig pleite und genauso obdachlos wie seine Theatertruppe ist. Also quartiert er sich und seine 20 Leute in jenem Hotel ein, dem sein gutmütiger Schwager Joseph Gribble (Kai Börner) als Manager vorsteht. Es wird ihnen zur Probebühne, und Miller, der weiß, dass er kein Geld braucht, solange er Leute kennt, die welches haben, lässt fleißig anschreiben.
Er und seine Schauspieler wohnen und schmausen vorzüglich wochenlang auf Kredit, bis Gribble den Revisor Gregory Wagner (Daniel Borgwardt) ins Haus bekommt. Wagner braucht nicht lange, um festzustellen, dass sich Millers Truppe wie ein Bandwurm durchs Hotel nagt. Wagner will die Schmarotzer sofort vor die Tür setzen. Doch Miller, der trainiert darin ist, auf regelmäßige Mahlzeiten zu verzichten und am finanziellen Ruin zu leben, pariert immer wieder virtuos, nicht nur um seine Haut, sondern vor allem um sein neues Stück zu retten.
„Room Service“ ist eine Hommage ans Theater, die man als allegorische Revolution der schönen Künste gegen ein stupides Regime des Geldes verstehen kann. Trotz historischer Kulisse will Parylas Inszenierung diese Aktualität des Stoffes unterstrichen wissen.
Vor allem aber beweist diese Cottbuser Aufführung, dass „Room Service“ ein Fest für Schauspieler werden kann, wenn man sie entfesselt, und genau das hat die Regisseurin vorzüglich verstanden. Andreas Gollner gibt den zwischen Gauner und Retter changierenden Miller so, als hätte der Schutzheilige der Kleinkriminellen seine unstillbare Liebe zum Theater entdeckt. Bernd Stichler entfaltet als Zimmerkellner Sasha Smirnoff so viel russische Seele, wie eine in Tschechow vernarrte Petersburger Wanderbühne. Und mit gleicher Ekstase lebt sich das Ensemble bis in die kleinste Nebenrolle aus.

KRITIK: rbb-Kulturradio vom 3.5.2010 - Frank Dietschreit

Staatstheater Cottbus: "Room Service"
Komödie von John Murray und Allen Boretz
Eine finanziell völlig abgebrannte Schauspieltruppe logiert seit Wochen in einem Hotel und probt ein neues Stück. Die Truppe hat weder eine Bühne noch einen Sponsor, der ihr aus der Klemme helfen könnte. Bald ist die Geduld der Hotel-Direktion erschöpft, dem Zimmerkellner wird das Servieren weiterer Speisen und Getränke untersagt und die Theater-Premiere rückt in weite Ferne.

Room Service, die Komödie von John Murray und Allen Boretz, war 1937 ein riesiger Broadway-Erfolg. Das Stück wurde mehrfach verfilmt und erscheint immer mal wieder auf deutschen Bühnen. Im Oktober 2007 inszenierte es Thomas Ostermeier an der Berliner Schaubühne – und jetzt Katja Paryla am Staatstheater Cottbus.

Room Service ist eine
aberwitzig komische und zugleich zeitlose Farce, die man nur schwer kaputt inszenieren kann und die noch jedes Publikum zum Lachen gebracht hat. Es ist ein Bravourstück für Schauspieler, hier können sie ihr ganzes Repertoire an Gesten und Mimiken zeigen und in Sekundenschnelle vom Weinen zum Lachen, vom puren Blödsinn zum hintergründigen Tiefsinn umschalten. Außerdem ist es ein Lehrstück über Kommunikation, über die Unwägbarkeiten und Missverständnisse beim Sprechen, die vor allem dann auftreten, wenn man sich nicht richtig zuhört, den anderen nicht ausreden lässt und aneinander vorbei redet.

Und – last but not least – ist Room Service ein Lehrstück über das Theater in Zeiten der Krise: Braucht die Gesellschaft das Theater überhaupt? Wie können wir weiter spielen, wenn uns der Geldhahn zugedreht wird? Und wie können wir das Publikum und die Sponsoren wieder für uns gewinnen? Das sind Fragen, die in der Wirtschaftsflaute der 1930er Jahre genauso aktuell waren wie sie es heute in der globalisierten Finanzkrise sind.

Katja Paryla inszeniert
das Stück als zeitlos aktuelle Klamotte und zeitlos aktuellen Kommentar zu den ewig wiederkehrenden zyklischen Wirtschafts- und Kunst-Miseren. Die Textfassung ist nicht altbacken, umständlich und vorgestrig, aber sie verzichtet auf modische Einsprengsel und zeitgeistigen Kauderwelsch. Es gibt keine Mikrofone, keine eingestreuten Songs, keine Dekonstruktionen und keine Filmschnipsel, sondern die Besinnung auf das reine Spiel, das Jonglieren mit verrückten Wortgirlanden und das Vertrauen darauf, dass die Schauspieler stark genug sind, den Text zum Tanzen zu bringen.

Die Kleidung der Darsteller verweist eher auf die 1930er, 1940er Jahre. Die Herren tragen Stresemannanzug und weite Hosen mit Umschlag, die Damen fantasievolle Hüte mit Federschmuck. Die wenigen Requisiten – ein Kühlschrank, ein Sessel, eine Couch – sehen aus, als seien sie vom Sperrmüll geholt. Und die verschiebbaren Stellwände, die um die Spielfläche angesiedelt sind, erinnern in ihrer Funktionalität an das Bauhaus und mit ihren bunten Quadraten an den Abstraktion und Pop.

Die wohl bekannteste Version
von Room Service haben die Marx Brothers geliefert. Die Inszenierung kann und will da nicht mithalten, aber sie verweist mit einem Augenzwinkern auf den Kult-Film von 1938. Gunnar Golkowski, der den Regisseur Harry Binion spielt, sieht mit seinen abstehenden Haaren und seinem Walross-Schnauzer wie Groucho Marx aus, Oliver Seidel, der den Bühnentechniker Faker Englund gibt, erinnert mit seiner Einfältigkeit und seinem Schlapphut an Chico Marx. Nur die Glatze von Amadeus Gollner, der den Produzenten Gordon Miller spielt, hat beim besten Willen nichts mit Harpo Marx zu tun.

Das ist ja auch gut so, denn die Inszenierung will nicht die Marx Brothers kopieren oder den Film eins zu eins nacherzählen. Der Film ist nur 75 schnelle, turbulente Minuten kurz, da jagt eine Pointe die nächste, die Inszenierung dagegen hat eine Spieldauer von zwei Stunden und setzt auf permanente Tempowechsel: Auf rasanten Blödsinn, dialogischen Irrsinn und hanebüchene Verwechslungen folgen immer stille Momente des Nachdenkens, der Besinnung, auch der zarten Erotik und der existenziellen Verzweiflung. Denn bei all dem bizarren Auf und Ab und Hin und Her von halbseidenen Sponsoren, arbeitslosen Schauspielern und geldgierigen Hotelmanagern will die Inszenierung auch zeigen, dass es bei all dem Lug und Trug um einen großen Traum geht: nämlich um den Traum von einem Theater, das so schön und widersprüchlich ist wie das Leben, das wir brauchen und lieben und gegen alle Anfeindungen verteidigen.

Das Premieren-Publikum
amüsierte sich köstlich, zum Schluss gab es euphorischen Applaus, vor allem für Berndt Stichler, der in der Rolle von Zimmerkellner Sasha Smirnoff wirkte, als hätte sich Onkel Wanja auf den Broadway verirrt und würde dort einen verrückten Hamlet spielen. Großer Applaus auch für Thomas Harms, der gleich in drei kleinen Rollen seinem Komödien-Affen Zucker gab und in der Rolle einer Schuldeneintreiberin aussah wie Georg Thomalla als Charlys Tante.

Genau das macht den Reiz und den Erfolg der Inszenierung aus: dass sie den Schauspielern genügend Raum gibt, um aus den kleinen Rollen großes Theater zu machen.
Frank Dietschreit, kulturradio

 

umweltzeichen der blaue engel, weil energiesparend

© 2008 by Oliver Seidel