Die Mausefalle
Agatha Christie
Regie: Bettina Jahnke Rolle: Detective Sergeant Trotter

Bühnenmodel von Pascale Arndtz (Bühnen- und Köstümbildnerin)

Ensemlbe der Mausefalle

Bühnen- und Kostümentwurf
von Pascal Arndzt (links)
Ensemble der Mausefalle (rechts)

-> zum Video von L-TV

Inhalt: In der Pension „Monkswell Manor", die gerade eröffnet wurde, treffen die ersten Gäste ein. Ein ungeheurer Schneesturm schneidet die nördlich von London gelegene Pension von der Außenwelt ab. Im Rundfunk wird von einem Frauenmord in einem Londoner Stadtteil berichtet. Eine Meldung unter vielen, wie die mittlerweile acht Personen in der Pension meinen. Noch wissen sie nicht, dass eine(r) von ihnen den Mord begangen haben soll. Telefonisch kündigt Superintendent Hogben einen Polizisten in der Pension an. Und es dauert nicht lange, da taucht aus dem Schneesturm Sergeant Trotter auf, um genau hier den Londoner Mord aufzuklären. Jede(r) der Befragten bestreitet, etwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben. Als allerdings ein Mord in der Pension geschieht, stehen plötzlich alle unter Verdacht: Die Wirtsleute Mollie Ralston und ihr Mann Giles ebenso wie der verschrobene Architekturstudent Christopher Wren, die unnahbare Miss Casewell, der Major a. D. Metcalf und Mr. Paravicini, der zufällig in der Pension landete, da sein Auto in eine Schneewehe gerauscht war. Zu aller Schrecken prophezeit Sergeant Trotter einen weiteren Toten in der Pension und stellt eine „Mausefalle", um den Mörder auf frischer Tat zu ertappen. Dieser Krimi-Klassiker ist das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Und ebenso wie im Londoner „West End", wo das Stück seit 1952 täglich läuft, möge sich auch das Cottbuser Publikum an das ungeschriebene Gesetz halten, die gefundene Lösung dieses kniffligen und höchst unterhaltsamen Falls nicht zu verraten. [Quelle: www.staatstheater-cottbus.de]

Nächste Vorstellungen: abgespielt











 
KRITIK: Lausitzer Rundschau, Märkische Allgemeine Zeitung

Agatha Christies Krimi-Klassiker «Die Mausefalle» im Staatstheater Cottbus

Panoptikum der Ticks und Typen

Den Hut tief in die Stirn geschoben, den Schal bis über die Nase hochgezogen, den Kragen des dicken Mantels aufgestellt: So vermummt geistert eine Gestalt durch die dämmrige Halle von Monkswell Manor. Kaum ist sie verschwunden, tritt der nächste Vermummte auf, versteckt etwas in einer Truhe und geht wieder, ohne ein Wort.

Nichts Ungewöhnliches eigentlich, denn draußen herrscht Schneesturm und gegen den schützen nun mal Hut, Schal und Mantel. Zu dumm nur, dass die Polizeibeschreibung eines Mörders, die aus dem Radio klingt, genau solche Vermummung als Kennzeichen nennt. Und an verdächtiger Winterkleidung herrscht in der ländlichen Pension, dem «Haus zur Mönchsquelle» , sehr bald kein Mangel . . .
Mit der klassischen Gruselatmosphäre eines alten Gemäuers weit weg von der nächsten Stadt lässt Bettina Jahnke im Großen Haus des Staatstheaters Agatha Christies Krimi-Dauerbrenner «Die Mausefalle» beginnen. Zunächst können die Zuschauer das liebe- und detailvoll ausgepinselte Bühnenbild von Pascale Arndtz bewundern: Troddellampe, Telefontischchen, Ölgemälde an den Wänden, der Kamin darf natürlich ebenso wenig fehlen wie das große Fenster, vor dem unaufhörlich der Schnee fällt.
Doch die Tapeten in Monkswell Manor sind angestaubt und eingerissen, die Heizung will auch nicht so recht – eine erste Adresse wird die Pension, die das junge Ehepaar Mollie und Giles Ralston (Johanna-Julia Spitzer, Gunnar Golkowski) da mitten im Winter eröffnet, wohl so schnell nicht werden. Bettina Jahnkes Inszenierung nimmt sich die Zeit, erstmal die Atmosphäre aufzubauen, in die dann die Pensionsgäste wie eine skurrile Typenparade einziehen. Da ist der völlig überdrehte Architekt Christopher Wren (Jan Hasenfuß), der eine grüne Weste zu gelbem Hemd und roten Schuhen trägt, ständig in Bewegung ist, sich dreht, windet, mit den Händen «redet» , affektiert und unsicher zugleich. Auch Miss Casewell (Serena Gruß) kommt betont flott und jugendlich und mit affektiertem Lachen eher als Typ denn als Figur daher. Zur Karikatur gerät Mr. Paravicini (Thomas Harms): Er lispelt, rollt das R, spricht mit Akzent – alles zugleich, garniert mit irrem Lachen und unstetem Blick. Dass man die Figuren in Agatha Christies Klassiker, der seit 1952 tagtäglich im Londoner West End-Theater gespielt wird, auch ganz anders darstellen kann, zeigen Hans-Peter Jantzen als Major Metcalf und vor allem Erika Kerner als Mrs. Boyle. Im strengen, grünen Kostüm, mürrisch und schnippisch zugleich, sucht sie nach dem Staub in den Ecken und den Fehlern der jungen Pensionswirtin, um sie genüsslich in ihrer Kladde zu notieren. Da entsteht mit kleinen Gesten und den richtigen Tönen eine stimmige Figur, die mit einem höhnisch-vielsagenden Lachen mehr Gelächter im Publikum auslöst als alle komischen Bemühungen um sie herum.
Die Krimi-Spannung dagegen kommt in diesem Panoptikum der Typen und Ticks nur sehr langsam in Gang. Da raunt es aus dem Radio von einem Mord im fernen London, landet Detective Sergeant Trotter (Oliver Seidel) auf Skiern im von der Umwelt abgeschnittenen Haus. Umständlich erläutert er, ständig mit dem Notizbuch wedelnd, die Hintergründe und möglichen Verbindungen der Tat zu Monkswell Manor, unter dessen zeitweiligen Bewohnern möglicherweise ein(e) Mörder(in) ist. Die Pensionsgäste nehmen die behauptete Gefahr eher entweder lässig – bis die erste Leiche auf dem Teppich liegt und der obligate spitze Schrei der Hausherrin ertönt.
Bis hierhin, bis zur Pause, ist die letzte Inszenierung von Bettina Jahnke am Staatstheater kaum mehr als routinierte Krimikost, eher skurrile Komödie denn handfeste Mördersuche. Doch im zweiten Teil steigert sich die Spannung merklich, und das nicht nur, weil Sergeant Trotter nun nach Alibis und Motiven fragt und alle sich in Widersprüche verwickeln. Da behauptet Miss Casewell, zum Tatzeitpunkt in der Bibliothek einen Brief angefangen, aber nicht beendet zu haben – doch sie hat das corpus delicti sorgfältig gefaltet im Umschlag bei sich. Mollie Ralston spinnt vor dem Sergeanten eine komplizierte Mördergeschichte aus, nur um vom (angeblichen) Architekten Wren oder auch sich selbst als möglichem Täter abzulenken. Und so wird im eingeschneiten Haus, in dem wegen eines Funklochs nicht mal die Handys funktionieren (kleine Konzession ans Heute im 60 Jahre alten Stück), jeder jedem verdächtig. Nun bröckeln langsam die Fassaden, die jeder sorgsam um sich und sein Leben herum aufgebaut hat, kommt Verschwiegenes und Unausgesprochenes ans Licht, bis sogar das jungverheiratete Paar an sich zweifelt. Dabei verschlägt es dann selbst dem affektierten Paravicini die Sprache: Er beginnt das Verhör als Komiker und endet sehr kleinlaut.
Da hat die Inszenierung durchaus starke Momente jenseits der reinen «Wer-war-es?» -Handlung. Deren Ende sei hier natürlich nicht verraten, nicht nur, weil Detective Sergeant Trotter das Publikum aufstehen und schwören lässt, wirklich niemandem etwas weiterzusagen aus dieser «Mausefalle» .
Für die Regisseurin und bisherige Oberspielleiterin Bettina Jahnke endeten die zweieinhalb Stunden nicht nur mit viel Applaus, sondern auch einem Extra-Blumenstrauß von Martin Schüler. Er bedankte sich für drei Jahre Zusammenarbeit und wünschte der künftigen Kollegin viel Glück – als Intendantin am Rheinischen Landestheater Neuss.

Von Ute Grundmann

Kritik: Märkische Allgemeine Zeitung  -  Frank Dietschreit

COTTBUS Seit 1952 wird „Die Mausefalle“ ununterbrochen im Londoner West End gespielt, jetzt auch zum ersten Mal am Staatstheater in Cottbus. Es ist wie fast immer bei Agatha Christie: Ein knappes Dutzend Personen ist scheinbar durch Zufall, aber letztlich aufgrund von mörderischen Verstrickungen, auf Gedeih und Verderb zusammen geschweißt. Diesmal nicht auf einem Flussdampfer oder im Orientexpress, sondern auf einem Landsitz, eine Autostunde entfernt von London.

Ein junges Ehepaar (Johanna-Julia Spitzer, Gunnar Golkowski) hat das Anwesen geerbt und zu einer Pension hergerichtet. Sie erwarten ihre ersten Gäste. Draußen herrscht dichtes Schneegestöber, im Radio laufen die Nachrichten von einem Mord an einer alten Dame. Als möglicher Täter wird eine Person mit schwarzem Hut, hellem Schal und dunklem Mantel gesucht: Leider tragen alle in die Pension kommenden Personen genau diese Kleidung. Trotzdem: Der Mörder befindet sich unter uns. Bis der Fall gelöst ist, werden noch weitere Opfer zu beklagen sein.

Regisseurin Bettina Jahnke liefert eine handwerklich solide, mäßig unterhaltsame, aber keine wirklich fesselnde Inszenierung. Das liegt daran, dass sie sich nicht entscheiden kann, ob sie das Stück im Ambiente der Nachkriegszeit belassen oder aktualisieren, ob sie es als Rätsel-Krimi-Klassiker oder als ironische Krimi-Klamotte spielen will. Einerseits ist das Mobiliar uralt, anderseits haben die Figuren Handys. Ein spleeniger Ex-Soldat (Jan Hasenfuß) ist angeblich vor dem Einsatz im Irak desertiert: Ein politisch heikles Thema, das aber fallen gelassen wird wie eine heiße Kartoffeln.

Allen Personen haftet etwas Vordergründiges an. Die Schauspieler müssen ständig mit den Türen schlagen, hin und her rennen und die Fragen des sich mit Skiern zum Landsitz durchkämpfenden Kommissars (Oliver Seidel) beantworten: Sie spielen unter Wert und könnten, wenn man sie denn ließe, viel mehr aus ihrer Rolle herausholen. Wer der Mörder ist? Wird nicht verraten. Denn einer der Schauspieler tritt an die Rampe, lässt die Zuschauer aufstehen und laut schwören, das Geheimnis für sich zu behalten.

 

 

umweltzeichen der blaue engel, weil energiesparend

© 2008 by Oliver Seidel