THE KILLER IN ME IS THE KILLER IN YOU MY LOVE
|
Regie: Mario Holetzeck | Rolle: Surbeck |
|
the killer in me PREMIERE Freitag, 3. Oktober 2008 im Rahmen der TRILOGIE DER TRÄUME
Nächste
Vorstellungen: |
Inhalt: Einen Sommer lang schauen die Mädchen nach den Jungs und die Jungs nach den Mädchen. Sie toben im Freibad, zeigen Haut am Dreimeterbrett, testen coole Sprüche oder flirten auf dem Badetuch. In der Gruppe werden Zigaretten geraucht, oder besser: gehustet. Ein Liebesbrief macht die Runde, und Pornohefte werden auf dem Klo herumgereicht. Etwas hilflos trauen sie sich zum ersten Mal eine sexuelle Annäherung. Flugzeuge schwirren im Bauch. Alles ist aufregend und befremdlich zugleich. Denn wenn sie allein sind, fühlen sie sich plötzlich so furchtbar einsam. Und während bei den einen endlich der ersehnte Kuss stattfindet, ist bei den anderen schon eine schmerzvolle Enttäuschung geschehen ... Andri Beyelers Stück zeigt Figuren, die eine eigenwillige musikalische Sprache sprechen, mit der sie – kunstvoll und authentisch zugleich – ihr Innenleben enthüllen. |
| KRITIK: | Märkische
Allgemeine - Martin Stefke Lausitzer Rundschau - Hartmut Krug nachtkritik - Hartmut Krug |
|
| Märkische Allgemeine - Martin Stefke 06.10.2008 | |
GenerationengeneratorMario Holetzeck gibt in Cottbus seinen Einstand als Schauspieldirektor COTTBUS - Da ist diese Melodie: „Smells like Teen Spirit“ der amerikanischen Grunge-Band Nirvana, die Susanne Paul ihrem Cello entlockt. Rhythmisch-krächzend und doch irgendwie zart und zerbrechlich: Kurt Cobains Hymne seiner Generation riecht noch immer verdammt nach jugendlichem Geist. Auch im altehrwürdigen Cottbuser Staatstheater riecht es jetzt so. Selbst wenn die Darsteller in Andri Beyerles „The killer in me is the killer in you my love“ – den Titel hat der Schweizer Autor einem Song der Smashing Pumpkins entliehen – deutlich zeigen, wie schwer es Jugendlichen fällt, cool zu sein. Ja, diese Coolness ist harte Arbeit. Daran lässt Mario Holetzeck, der neue Schauspieldirektor am Schillerplatz, zum Auftakt seiner „Trilogie der Träume“ keinen Zweifel. Aber darauf kommt es ja gerade an, wennman als Halbwüchsiger den Sommer über im Freibad herumhängt: Cool muss man sein, egal, ob man nun nach den Mädchen guckt, Rollerskate fährt, raucht oder irgendwie sonst die Zeit totschlägt. Auch die Mädchen geben sich in ausgestellten Posen. Oder sie verstecken ihren Körper unter einem nun wirklich jede Partie des jungen Fleisches verhüllenden Umhang. Wie Lena, denn Lena hält sich für zu dick und ekelt sich zudem noch vor dem „Pissgelb“ des eigenen Bikinis. Unsicher sind diese jungen Leute allesamt und deshalb suchen sie hinter den antrainierten Haltungen Schutz. Kaum verwunderlich. Schließlich entdecken sie gerade erst die eigenen Gefühle, das andere Geschlecht, das Leben. Was da noch vor ihnen liegt, haben die anderen Figuren des viereinhalbstündigen Abends schon hinter sich. Oder sie stecken mittendrin – in verkorksten Ehen und heimlichen Affären, im lausigen Job, den Lebenslügen und dem Frust all der verlorenen Hoffnung und unerfüllten Träume wegen. Mario Holetzeck hat drei Stücke zu einem sehr heutigen Abend um diese Themen verwoben. Mit leichter Hand und durchaus schlüssig. In Dominik Finkeldes „Die Nebensächlichen“ dreht sich das Geschehen um die heute 40-Jährigen. In Lutz Hübners „Blütenträume“, stehen die – wie eine Figur es so schön sagt – „Menschen in der nachberuflichen Lebensphase“ im Mittelpunkt. Jürgen Kirner hat für den die Generationen verbindenden Abend ein einziges Bühnenbild gebaut. Mit seinen rolloartigen Wänden im brüchigen Stahlbetonskelett wirkt es anfangs labyrinthisch eng, öffnet sich mit der Zeit aber mehr und mehr. Am Ende wird der Raum zur Blumenwiese, auf der ein paar aufgeweckte Alte, die eigentlich einen Volkshochschul-Flirtkurs absolvieren wollten, ausgelassen feiern und Zukunftspläne schmieden. Zuvor jedoch blicken wir in „Die Nebensächlichen“ in ein Künstleratelier. Leider überziehen hier Regisseur und Ensemble die ohnehin mit Problemen und Katastrophen überfrachtete Vorlage um das Treffen einer Gruppe „guter Freunde“ doch zu arg. Da wird zwischen allerlei nur noch nervenden Zitaten und dem lautstark skandierten „Lasst uns fröhlich sein“ des alten Studentenliedes „Gaudeamus igitur“ einfach zu oft auf Möbel gestiegen und brüllend jede Menge Wein verschüttet. Schade. |
|
| Lausitzer Rundschau - Hartmut Krug 06.10.2008 | |
Das Leben, (k)ein TraumZum 100. Geburtstag des Cottbuser Theaters präsentierte sich das Schauspiel nicht etwa mit der Inszenierung von publikumssicheren Klassikern, sondern mit drei Gegenwartsstücken. Mehr als vier Stunden dauerte die vom neuen Schauspieldirektor Mario Holetzeck inszenierte Trilogie, die das Publikum am Schluss statt erschöpft restlos begeistert sah. Drei Stücke, drei Generationen, ein Thema: Träume vom Glück. Erzählt wird von Selbstfindung und Selbstverwirklichung, von der Suche nach Glück und Erfolg im Leben, von der Überprüfung gelebten Lebens oder von Zukunftshoffnungen. Andri Beyelers „the killer in me is the killer in my love“ zeigt die tastende Suche von drei Jungen und zwei Mädchen nach Nähe und Liebe. Mit unsicherem Körpergefühl gehen sie im Sommer in einem Schwimmbad aufeinander zu. Es geht um neue Bikinis und erste Zigaretten, um allererste Küsse und seelische Verletzungen, Beyelers kunstvolles Stück lebt aus einer verknappenden, soghaften Sprache und zeigt sprachliches Formbewusstsein wie psychologische Sensibilität. Regisseur Mario Holetzeck setzt dagegen vor allem auf die äußerliche Beweglichkeit seine Darsteller, die auf Rollerskates herein- und herumtoben. Die Männer markieren heftig jugendliche Coolness, ohne die unter dem aufgesetzten Posieren liegende Unsicherheit der Jungen deutlich genug herauszuarbeiten. Während die Mädchen weniger aufdrehen, – Ariadne Papst und Johanna Emil Fülle, aber ansatzweise auch Roland Schroll als Klein Gerber finden für ihre Figuren durchaus psychologische Unter- und Zwischentöne. Bereits bei diesem ersten Stück wird deutlich, dass der Regisseur an diesem Abend vor allem die Spiel-Lust seines Ensembles und die Zuschau-Lust des Publikums mit direktem, gelegentlich auch allzu plakativem Theater zu wecken versucht. Dass die Stücke und ihre Figuren miteinander zu tun haben, macht der Regisseur mit Details deutlich. Da huschen Darsteller aus den anderen Stücken und damit von anderen Generationen durch jedes Stück, und mit dem Lied „Non, je ne regrette rien“ wird immer aufs Neue die Haltung der älteren Generation verdeutlicht.Die Crossover-Cellistin Susanne Paul kommentiert in jedem Stück live auf der Bühne das Geschehen, zum Beispiel mit der Version eines Stücks der Band „Nirvana“, und das ausnehmend hässliche Einheitsbühnenbild von Jürgen Kirner mit seinen Betonwänden und abgebrochenen Betonstreben lässt unter Einsatz der Drehbühne für jedes Stück eine neue szenische Sicht zu. In Dominik Finkeldes „Die Nebensächlichen“ versammeln sich im Atelier einer Malerin neun Menschen um die Vierzig. Einst trafen sie sich regelmäßig als „Club der Lebensphilosophen“, sprachen über ihre Lebenshoffnungen und beruflichen Träume und philosophierten zitatenselig über die Welt. Wenn sie sich nun zur Verabschiedung einer Frau finden, die als Ehefrau nach Amerika gehen will, brechen nicht nur alte Wunden auf, sondern Lebenslügen und Beziehungsprobleme werden offenbar. Der Autor befrachtet seine Figuren mit nicht wenig Bedeutungen. Es wird von einem alten Mordversuch wegen Liebesproblemen berichtet und ein neuer gezeigt, und ein Mann unternimmt einen Selbstmordversuch, „um etwas zu fühlen“. Das Gruppenporträt der Malerin empört fast alle wegen seiner bösen Wahrhaftigkeit, denn man muss sich eingestehen, weder eine Ideologie noch eine Orientierung besessen zu haben. Als Generation der „Nebensächlichen“ gehörte man nur zu den „viel zu Vielen.“ Spielerische Plakativität Auch bei Finkeldes Stück zeigt sich Regisseur Mario Holetzeck als kraftvoller Regisseur, der seine Darsteller in ein unterhaltsames Spiel von äußerlicher Deutlichkeit zu treiben versteht, – unter dessen Lautstärke allerdings manche psychologischen Zwischentöne verloren gehen. Da setzt sich die Gruppe Tiermasken auf oder versammelt sich wie zum Abendmahl, und Finkelndes Stück, ein im Einverständnis mit dem Autor gekürztes Cottbusser Auftragswerk, wirkt auf diese Weise wie die vergröberte Version eines Botho-Strauß-Stückes. Das Publikum zeigte seine verständliche Freude an der spielerischen Plakativität der Inszenierung und an der Leistung der durchweg wunderbaren Schauspieler mit viel Zwischen- und kräftigem Schlussapplaus.Der sich nach Lutz Hübners „Blütenträume“ zu einem wahren Jubelorkan steigerte. Hübners Stück zeigt Menschen der Generation 55+ beim Besuch eines Flirtkurses an der Volkshochschule. Man hat sehr unterschiedliche Schicksale, doch eine Gemeinsamkeit: jeder will in eine wie immer geartete Zweisamkeit finden. Hübner schrieb ein pointensicheres Stück mit wunderbaren Rollen, das viele Themen und Haltungen antippt: es geht um Alzheimer und um Seitensprung, um den Tod eines Partners und die Entfremdung von den Kindern, für die man nur noch eine Haushaltshilfe oder Kinderbetreuer ist, es geht um Überarbeitung im Beruf oder um Lebenslügen, – und immer geht es dabei um eine empfundene Leere. Gegen die der junge Kursleiter mit seinen forschen Sprüchen und seinem rein formalen Vorgehen (eine Paraderolle für Thomas Harms, der unterm Überdrehten der Figur ihre verzweifelte Unsicherheit deutlich macht) nicht das richtige Mittel findet. Weshalb die „Senioren“ ihn feuern und allein weiterzumachen versuchen. Hochkomödiantisch Das ist alles hochkomödiantisch, was das Ensemble hier zeigt. Bei der durchgehend homogenen, tollen Ensembleleistung ist es eigentlich unfair, einzelne Darsteller heraus zu stellen. Doch wie Susann Thiede die Verzweiflung einer zur Generation 40+ gehörenden erfolgreichen Maklerin, die keinen Kurs für ihre Generation fand, zwischen Schrillheit und Hysterie, zwischen verträumtem Anschmachten des Kursleiters und einer sachlichen Patentheit ausfaltet, ist besonders sehenswert. Auch Heidrum Bartholomäus als lebensfrohe Witwe und Michael Becker als pensionierter und scheinbar allzu selbstbewusster, sich aus Unsicherheit oft vordrängender Schuldirektor stechen hervor. So sind in Cottbus Hübners Figuren immer beides, erkennbare Klischees und Typen wie zugleich wiedererkennbare, realistische Figuren. Trotz einiger Einwände gegen die plakative Inszenierungsform dieser „Trilogie der Träume“: mit ihr hat es der neue Schauspieldirektor Mario Holetzeck geschafft, sowohl das Ensemble wie das Publikum zu begeistern. Soviel Jubel nach einer Schauspielpremiere gab es in Cottbus wohl lange nicht. |
|

