| FRÄULEIN JULIE August Strindberg |
Regie: Mario Holetzeck | Rolle: Jean |
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Premiere: Samstag, 4. Oktober 2009 ->Interview mit Regisseur Mario Holetzeck Kritik: |
Inhalt:
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| KRITIK: | Der Märkische Bote - J. Heinrich |
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| Fräulein Julie Abgründe - gesellschaftliche, moralische, seelische - tun sich auf in diesem Stück von August Strindberg (1844-1912), das Mario Holetzeck (Regie) ganz in die kranke Gegenwart holt. Das Seichte bunter Blätter halten Kristin (Susann Thiede) und Jean (Oliver Seidel) für Wirklichkeit, bauen sich Träume daraus. Doch die roten Nasen zeigen: Auch sie sind nur Clowns in einer clownesken Wohlstandswelt, in die Jean gerät, um vollends zerstört zu werden. Beim Akt mit dem Cello wird er der entglittenen Würde nicht gewahr; er lässt sich in Abgründe (als Bühnenklappen installiert, Ausstattung Hans-Holger Schmidt) ziehen und bekommt am Ende, trotz krampfigen Ringens keinen Fuß auf den Boden, auf dem ihm die Frauen enteilen. Susann Thiede lässt Kristin leiden, aber nicht untergehen. Die verzogene Julie hingegen bricht aus aus ihrem Goldenen Käfig. Johanna Emil Fülle führt sie anfangs wie fremdgesteuert vor. Ihr Aufbegehren gegen väterliche Hut führt durch Niederungen in Hoffnung. Es sind genau gezeichnete Charaktere, die sich in diesem kleinen Stück verändern, die uns ähnlich sind. Kommen wir nicht gar vor im Stück? Irrlichternde Camcorder-Bilder vermischen Spiel und Realität. Nachdenklichkeit bleibt. Und es gibt viel Beifall. „Spielwut“ in der Kammerbühne ist sehr nahes Theater. Sehr sehenswertes. |
| KRITIK: | Märkische Allgemeine vom 13.10.09 - Martin Stefke |
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Regisseur Mario Holetzeck trimmt August Strindberg im Cottbuser Staatstheater flockig auf Gegenwart Holetzeck hat nämlich eine eigene Spielfassung der Geschichte um die junge Grafentochter, die in einer Mittsommernacht wild tanzend zum Volk herab- und anschließend ins Bett des Dieners Jean steigt, erarbeitet. In dieser schreibt er das 1888 entstandene Stück flockig um. Im Gegensatz zur Vorlage wird in der Niederlausitz nicht nur vom eigenen Hotel in der Schweiz geträumt: Am Ende des Abends verlassen Julie (Johanna Emil Fülle) und die Köchin Kristin (Susann Thiede) das Haus in Richtung Tessin. Nur Jean bleibt zurück: Schreiend hängt Oliver Seidel am Bühnenrand. Dieser Knecht kann der Rampe und damit seiner kleinen Welt nicht entfliehen. Leider nimmt uns Holetzeck mit solchen Bildern das Denken ab. Er erfindet Metaphern und Situationen, die uns der Originaltext bereits erzählt. Es mag sein, dass die Personenkonstellation – verwöhnte Grafentochter, karrierebewusster Diener und schüchterne Köchin – unzeitgemäß erscheint. Vielleicht hat Holetzeck deshalb das „naturalistische Trauerspiel“ kräftig auf Zeitgeist getrimmt. Bei ihm ist Julie zwar immer noch ein blaublütiges Geschöpf, ihr Vater aber, der nicht auftretende Graf, ein erfolgreicher Couturier, ein Mode-Zar à la Lagerfeld. Im weißen Bühnenraum, den Hans-Holger Schmidt als schmales, flaches Rechteck ohne Fenster, aber mit Bodenluken entworfen hat, hängen denn auch zwei Stangen voller Kleider. An einer Wand sehen wir Entwürfe, auf einem Ständer ein weißes Kleid, das die schwangere Kristin etwas raffen und ändern wird. Zuvor hat sie ihrem Verlobten Jean aus einem Boulevardblatt den neusten Klatsch vorgelesen. Johanna Emil Fülles Julie ist eine Göre – mal maulig, mal kokett – eine Art Paris Hilton. Um das Gerede der Leute schert sich das Blondchen keinen Deut. Wie sie wirkt auch Oliver Seidels Jean, als hätte er gerade eine Handvoll Partypillen geschluckt. Kichernd und japsend, dauernd unter Strom, gebärden sich die beiden überdreht und fallen aus den Rollen: „Du hättest Schauspieler werden sol- len.“ – „Ich bin Schauspieler.“ Ist alles nur Spiel? Die Überdrehtheit mag stimmen. Das Clownsnasen-Aufsetzen bleibt ein plattes, das Cello-Lecken und Mit-dem-Instrument-Kopulieren ein eher peinliches Bild. Fesseln können derlei Verdeutlichungsversuche nicht. Die Figuren wirken bis auf Susann Thiedes an der Tränenschwelle entlang taumelnde Kristin fern und fremd. Die Geschichte zieht sich. – Schade. |
| KRITIK: | ![]() |


